Arbeitslosengeld 1 aufstocken Tipps

In unserem Artikel möchten wir uns einmal mit dem Arbeitslosengeld 1 (ALG 1) beschäftigen und einige Tipps geben, wie sich dieses aufstocken lässt. Die meisten, die zuvor Vollzeit gearbeitet haben, sehen sich bei der Arbeitslosigkeit plötzlich mit finanziellen Problemen konfrontiert. Das Problem beim Arbeitslosengeld 1 liegt darin, dass nur noch 60 Prozent

des letzten Nettoverdienstes gezahlt wird. Das ist wenig und kann Betroffene schnell in Not bringen. Besonders dann, wenn die Arbeitslosigkeit länger anhält. Laut den Statistiken nimmt mittlerweile jeder 10. die Möglichkeit wahr, das ALG 1 durch eine kleinere Beschäftigung aufzustocken. Wie das geht und was dabei im Einzelnen beachtet werden sollte, haben wir nachfolgend in einem kurzen Ratgeber zusammengefasst.

Anspruch auf ALG 1

Wer Arbeitslos wird, kann unter Umständen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 haben. Dabei muss vor allem eine Voraussetzung erfüllt werden. So muss der Antragsteller mindestens 12 Monate in den letzten 2 Jahren in einem versicherungspflichtigen Job gearbeitet haben und dabei in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Kam es in diesem Zeitraum zu Ersatzzeiten durch Mutterschaftsurlaub, Elternzeit, Wehrdienst, Elternzeit, Krankengeld oder einen Freiwilligendienst, fließt diese mit in die Berechnungszeit ein.

Verkürzte Anwartschaft beim ALG 1

Die Anwartschaft auf Arbeitslosengeld 1 greift auch dann, wenn in einem Zeitraum von 2 Jahren vor der Meldung auf Arbeitslosigkeit, ein Beschäftigungsverhältnis von mindestens 6 Monaten bestand. Die Anwartschaft ist aber auch dann bestehend, wenn die Jobs auf 10 Wochen befristet waren und hierbei der Bruttoverdienst 32.240 Euro nicht überstiegen wurde. Hierbei wird aber immer ein Nachweis verlangt. Die verkürzte Anwartschaft gilt jedoch nur noch bis Ende 2018.

15 Stunden pro Woche Zuverdienst erlaubt

Generell kann jeder Betroffene beim Arbeitslosengeld 1 auch einen kleinen Job annehmen. Erlaubt ist dabei maximal eine Arbeitszeit von 15 Stunden in der Woche.

Ganz wichtig ist aber zunächst die fristgerechte Meldung der Arbeitslosigkeit. Diese muss in Deutschland immer noch persönlich erfolgen und das spätestens am Tag der ersten Arbeitslosigkeit. Leider bieten die Ämter bis heute keine Online-Meldung an. Wer aktuell noch in Arbeit ist, aber weiß, dass die Tätigkeit bald zu Ende geht, kann sich auch schon früher arbeitsuchend melden.

Sperrzeiten beim ALG 1 verhindern

Aufgepasst werden sollte bei den Sperrzeiten. Die Arbeitsagentur kann Sperrzeiten von bis zu 12 Wochen beim Arbeitslosengeld 1 verhängen. Das passiert zum Beispiel häufig, wenn das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitnehmer ohne nachvollziehbaren Grund, also willkürlich, aufgelöst wurde. Aber auch dann, wenn der Arbeitslose sich Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung verweigert oder einfach die Meldung zur Arbeitslosigkeit verspätet abgibt. Gerade der letzte Punkt führt häufig zu Sperrzeiten. Eine Sperrzeit bei ALG 1 kann aber auch dann erhoben werden, wenn sich der Arbeitslose nachweislich nicht um einen neuen Job kümmert.

Aber auch neutrale Vorkommnisse, wie Abfindungen führen zu Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld 1.

Arbeitnehmer hat gekündigt – Sperrzeiten umgehen

Generell kann, wenn der Arbeitnehmer aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Arbeitsstelle kündigt, eine Sperrzeit durch das Amt verhängt werden. Daher sollten Sie bereits vor der Kündigung ordentlich und nachvollziehbar die Ursachen darlegen können. Anerkannt werden häufig familiäre Gründe. Haben Sie zum Beispiel geheiratet und der Ehepartner wohnt in einer anderen Stadt, kann die Kündigung aus familiären Gründen erklärt werden, ohne das es zu einer Sperrzeit kommt. Beachten Sie dabei aber dabei, das die Arbeitsagentur vermutlich weitere Nachweise einfordern wird. Der familiäre Grund muss also immer genau belegbar sein.

Leistungen bei Arbeitslosengeld 1

Vorab sei gesagt, dass es beim ALG 1 keine pauschalen gibt. Die Höhe beim Arbeitslosengeld 1 richtet sich immer danach, was Sie als letztes verdient haben, nach der Lohnsteuerklasse und die Anzahl der Kinder. Anhand dieser Punkte wird für das ALG 1 ein sogenannter täglicher Leistungssatz errechnet, der dann als monatliche Leistung ausgezahlt wird. Handelt es sich um einen vollen Kalendermonat, werden 30 Tage als Maßstab angerechnet. In der Regel können Sie davon ausgehen, dass die Höhe 60 Prozent des letzten Nettoverdienstes betragen wird. Haben Sie ein Kind, das mit Ihnen im Haushalt lebt, wird der Betrag ungefähr bei 67 Prozent liegen.

In der obigen Grafik haben wir kurz einmal ein Fallbeispiel aufgeführt. Interessant ist hierbei ein weitergehendes Beispiel. In der Steuerklasse III mit einem Kind käme der Betroffene mit dem gleichen Bruttogehalt auf ein Arbeitslosengeld von 1042,50 Euro. Das tägliche maximale Bemessungsentgelt würde hier 216,67 Euro betragen,

Fazit zum Fallbeispiel

Arbeitslose, die zuvor ein geringes oder mittleres Einkommen bezogen haben, haben es beim ALG 1 besonders schwer. Häufig recht die Leistung nicht aus, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. In den ersten Monaten der Arbeitslosigkeit kann das noch teilweise überbrückt werden. Umso länger der Zustand jedoch anhält, desto größer werden finanziellen Probleme, die vielfach auch schnell in einer Überschuldung enden können. Um das frühzeitig zu verhindern, ist es sinnvoll, das Arbeitslosengeld 1 aufzustocken, bis sich irgendwann wieder eine vollwertige Arbeitsstelle finden lässt.

Wie lange besteht der Anspruch?

Hier kommt es oft zu unterschiedlichen Aussagen. Generell sind zwei Faktoren für die Dauer des Anspruches heranzuziehen. Zu einem, wie lange die Einzahlung in das Arbeitslosengeld 1 erfolgte und zum anderen das Alter des Betroffenen bei Arbeitslosigkeit. Die Anwartschaft muss natürlich (siehe oben) erfüllt sein.

Wurde eine versicherungspflichte Tätigkeit von 12 Monaten in den letzten 2 Jahren ausgeführt, besteht ein Anspruch von 6 Monaten.

Haben Sie in den letzten 5 Jahren mehr als 12 Monate gearbeitet, kann der Anspruch bis zu einem Jahr betragen.

Sind Sie unter 50 Jahre alt, wird das ALG 1 grundsätzlich nur ein Jahr gezahlt, bei über 50 Jahren kann ein längerer Anspruch geltend gemacht werden. Ab 58 Lebensjahren wird das Arbeitslosengeld 1 maximal für 24 Monate gezahlt. Eine Verlängerung ist grundsätzlich dann möglich, wenn ein Anspruch zwar in den letzten 5 Jahren erworben wurde, dieser aber nicht vollständig genutzt wurde. Der damals nicht genutzte Rest kann so auf den aktuellen Zeitraum mitangerechnet werden. Aber: Nach Ablauf von 5 Jahren ist der Restanspruch verfallen.

Spielen Vermögenswerte eine Rolle

Doch wie sieht es mit Vermögenswerten aus. Zu den diesen zählen zum Beispiel Sparguthaben. Immobilien, Edelmetalle und andere Einkünfte. Sie können hier ganz beruhigt sein. Beim Arbeitslosengeld 1 siele diese keine Rolle. Anders ist das jedoch beim ALG 2. ALG 1 ist als eine Art Risikoversicherung für den Arbeitnehmer zu verstehen. Die Arbeitslosigkeit wird dabei als ein Schadensfall angesehen, die dazu führt, das die Kosten übernommen werden. Nur beim ALG 2 spielen Vermögenswerte eine Rolle, nicht aber bei ALG 1.

Arbeitslosengeld 1 aufstocken

Nach der ganzen Theorie und den Grundsätzen beim ALG 1, kommen wir nun zu der entscheidenden Frage. Wie viel darf ich aufstocken. Zunächst einmal sei gesagt, das die ALG 1 Leistungen auch mit Hartz-4 Leistungen aufgestockt werden können. Das ist vor allem bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen möglich. In der Regel kommt das bei 10 – 15 Prozent der Erwerbslosen in Frage. Auch möglich ist es, den Kinderzuschlag zu nutzen.

  • Aufstockung mit Hartz IV
  • Kinderzuschlag
  • Wohngeld

Dieser wird in der Regel ergänzend zum Kindergeld gezahlt. Das kann aber nur dann erfolgen, wenn ein Einkommen von mindestens 900 Euro bei dem Antragsberechtigten (verheiratet) vorliegt. Bei Alleinerziehenden liegt die Grenze bei 600 Euro. Auch besteht die Möglichkeit, mit Wohngeld beim ALG 1 aufzustocken. Beim Wohngeld sei aber angemerkt, dass der Antragsteller hier selbst aktiv werden muss. In der Regel geht das nur, wenn der Arbeitslose bei seinem Jobcenter einen Antrag auf Arbeitslosengeld 2 stellt. Der Anspruch ist dann gegeben, wenn die verfügbaren Mittel unter 1.200 Euro brutto (Alleinstehend) bzw. unter 1.500 Euro brutto (ein Kind) liegen. Im Jobcenter wird dazu aber immer eine individuelle Berechnung anhand der tatsächlichen Gegebenheiten ausgeführt.

Um das ALG 1 auf zu stocken, werden alle Einkünfte als Grundlage für eine Berechnung genommen. Dazu zählen auch Steuererstattungen, Zinsen, Gewinne aus Lotto und Co. und zum Beispiel die Eigenheimzulage. Der Antrag für eine Aufstockung muss ebenfalls persönlich beim Jobcenter gestellt werden.

Zusätzliches Einkommen aus Job

Wer neben dem ALG 1 noch arbeiten gehen möchte, muss dabei beachten, das nicht mehr als 15 Stunden pro Woche beim Nebenjob überschritten werden dürfen. Die ersten 100 Euro aus der Nebentätigkeit werden nicht angerechnet, sie gelten als Grundfreibetrag. Zwischen 100 – 1.000 Euro bleiben 20 Prozent des Bruttobetrages anrechnungsfrei. Bis zu 1.500 wird alles bis zu 10 Prozent nicht angerechnet.

Individuelle Rechnung bei Aufstockung

Letztlich ist es immer eine individuelle Rechnung, was für den Betroffenen am sinnvollsten ist. In vielen Fällen macht es beim ALG 1 sogar Sinn, lieber auf Kinderzuschlag und Wohngeld zu setzen, anstatt die Leistungen vom Jobcenter zu beziehen. So kann man sich den etwaigen Verpflichtungen (Eingliederungsvereinbarung, etc.) entziehen. Daher macht es Sinn, vor einem Antrag alles im Einzelfall genau durchzurechnen.

error: Content is protected !!